Mit Digitalisierung und Analyse von Betriebsdaten Kostensenkungspotentiale ermitteln

Vestas Wind Systems

„Fünf-Fragen-an“ Fabian Bengfort von der Firma winergy

1. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf ihr Geschäft? / Wie spüren Sie die Wirtschaftslage?

Wie viele andere Industrien hat auch die Windbranche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen: Dies betrifft vor allem die Lieferketten, die Produktion und die Aufstellung von neuen Anlagen. Dennoch ist die Branche bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Die Zukunftsaussichten sind positiv, da der Energiebedarf global gesehen kontinuierlich steigt und der Ausbau der Windenergie auch dank der breiten politischen Unterstützung weiter vorangetrieben wird. In einigen Teil der Welt ist der Strom aus Windkraft bereits zur günstigsten Form der Energieerzeugung geworden.


2. Was fasziniert Sie an der Windenergie-Branche?

Mich fasziniert es durch die Arbeit bei Winergy einen eigenen, gesellschaftlichen Beitrag für die Energiewende zu leisten. Durch den technischen Fortschritt werden nicht nur die neuen Windturbinen, sondern auch die Getriebe und Generatoren immer größer und leistungsfähiger. Was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war, ist heute Stand der Technik und die Entwicklungen, die wir heute machen, werden die Grenzen des technisch machbaren in Zukunft weiter nach oben verschieben.


3. In einer von der VDMA AG Windindustrie begleiteten Studie wurden erhebliche Kostensenkungspotenziale in der Windindustrie aufgezeigt. Wie schätzen Sie diese Potenziale ein?

Die Windbranche ist noch eine vergleichsweise junge Industrie und konnte in den vergangenen Jahren bereits große Fortschritte erzielen. Damit konnten erhebliche Senkungen der LCOE erreicht und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Energieträgern erhöht werden.

Die jüngst durchgeführte Studie von Herrn Prof. Wildemann in Zusammenarbeit mit dem VDMA zeigt, dass das Ende noch nicht erreicht ist und sogar langfristig noch weitere LCOE Senkungspotenziale von bis zu 53% vorhanden sind. Wir sehen hierbei ein großes Potenzial in der ganzheitlichen Digitalisierung des Energiemarktes und der Windturbinen, bei dem die Digitalisierung des Antriebsstrang einen wesentlichen Teil beitragen muss. Gleichzeitig arbeiten wir an der weiteren Modularisierung unserer Getriebe und Generatoren. Hierbei denken wir auch über neue Geschäftsmodelle und Logistikkonzepte nach.

VDMA



4. Wie versuchen Sie diese Potenziale in ihrem Unternehmen / in ihren Produkten/ Lösungen zu heben?

Die Winergy arbeitet unter anderem daran, Kostensenkungspotenziale durch Digitalisierung zu erzielen. Beispielsweise werden die Anforderungen an die Instandhaltung von Windparks immer spezifischer. Die tatsächliche Restlebensdauer einer Windkraftanlage kann je nach Einsatzbedingungen von den erwarteten zwanzig Jahren nach oben oder unten abweichen. Dasselbe gilt für die Getriebe in den Turbinen.

Hier bieten sich Chancen der Leistungsoptimierung. Mit Winergy‘s Digital Gearbox können Windparkbetreiber dazu befähigt werden, die Restlebensdauer ihrer Getriebe zu prognostizieren, um deren Leistungsfähigkeit sicherzustellen, ihre Instandhaltungsplanung zu optimieren und Kosten zu reduzieren. Dazu haben wir einen Ansatz entwickelt, die Getriebe-Restlebensdauer eines gesamten Windparks zu bestimmen, indem historische Winddaten, ein digitaler Zwilling des Getriebes sowie Design- und Materialeigenschaften der rotierenden Getriebeteile analysiert werden. Neben der Ertragsmaximierung stehen folgende Punkte im Fokus:

  • Transparenz zwischen theoretischer Auslegung und realem Betrieb
  • Unbekannte und ungewollte Abnormalitäten ermitteln
  • Möglichkeit der Leistungsupgrades von Getrieben
  • Identifikation von Bedarfen der Leistungsabstufung
  • Überlasten im Triebstrang vermeiden


5. Sind Sie zuversichtlich für die Windindustrie? / Wo sehen Sie die Industrie in fünf Jahren?

Wir, die Winergy, blicken zuversichtlich in die nächsten 5 Jahre und auch in die Zukunft der Windindustrie. Neben einer positiven Entwicklung des Onshore Marktes erwarten wir insbesondere im Bereich der Offshore Windenergie hohe Wachstumsraten in China, in Europa sowie den USA. Ebenso wird das Thema Floating Wind an Relevanz gewinnen, was mit einem riesigen Flächenpotenzial für die Erschließung neuer Windparks einher gehen wird. Es werden noch größere und leistungsfähigere Anlagen in den Markt eingeführt und damit die LCOE weiter reduziert. Außerdem werden wir erste Ansätze der grünen Wasserstoffproduktion erleben. Die Digitalisierung der Branche wird weiter voranschreiten und es wird eine Zusammenarbeit über Liefergrenzen hinweg und einen kollaborativen Datenaustausch geben.