Kostensenkungspotentiale durch Standardisierung, Modularisierung und Serienproduktion in der Windindustrie

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"Fünf-Fragen-an" Josef Knitl von der Firma Max Bögl

1.    Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf ihr Geschäft? Wie spüren Sie die Wirtschaftslage?

Aktuell spüren wir keine Auswirkung auf den Ausbau der Windkraft. Die Branche hat sich an die Hygiene- und Abstandsbestimmungen angepasst und konnte so Werksschließungen und damit verbundene Lieferengpässe vermeiden. Auch wirtschaftlich sehen wir mittel- und langfristig keine Folgen für die Windkraft in Deutschland. Unabhängig von der Corona-Pandemie spielt die Energiegewinnung weiterhin eine große zentrale Rolle zur Erreichung der Klimaziele. Zwar bleibt die politische Situation zur Windkraft in Deutschland insgesamt weiter angespannt, dies hat sich durch die Pandemie aber nicht verändert, lediglich Entscheidungen wurden verschoben. Der Wandel in der Energiegewinnung zu erneuerbaren Energien schreitet voran, weshalb auch der Ausbau der Windkraft weiter forciert wird.


2.    Was fasziniert Sie an der Windenergie-Branche?

Die Windkraft ist eine noch relativ junge Branche. Doch wurde in den letzten 20 Jahren eine so schnelle und enorme technologische Entwicklung vorangetrieben, dass die Stromerzeugung mit Windkraft schon heute eine der günstigsten Energieerzeugungsformen darstellt. Und das Ende der technologischen Weiterentwicklung ist noch lange nicht erreicht. Es ist unglaublich interessant, diesen Prozess zu begleiten und auch über die Weiterentwicklung unseres Hybridturms sowie die intensive Kooperation mit unseren Kunden die Energiezukunft mitgestalten zu können. Die Windenergie ist ein wesentlicher Megatrend, der unser Klima in Zukunft nachhaltig beeinflussen wird. Es begeistert mich und unsere Gesellschaft vor allem, nachfolgenden Generationen durch die Entwicklung effizienter Technologien zur grünen Stromerzeugung eine lebenswerte und saubere Welt zu ermöglichen.


3.    In einer von der VDMA AG Windindustrie begleiteten Studie wurden erhebliche Kostensenkungspotenziale in der Windindustrie aufgezeigt. Wie schätzen Sie diese Potenziale ein?

Die Windkraft hat sich zu einem starken und professionalisierten Industriesektor entwickelt. Man erreicht hier schon heute ein hohes Niveau in den Fertigungsprozessen. Darüber hinaus ergeben sich zwei wesentliche Stellhebel zur weiteren Senkung der Kosten und zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Ein Hauptaugenmerk sollte zukünftig auf der Standardisierung liegen. Je weniger Einzelkomponenten und Individuallösungen gefordert werden, desto schneller und effizienter und somit wirtschaftlicher lassen sich Fertigungsprozesse gestalten. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang die Modularisierung eine immer stärkere Rolle spielen. Um mit standardisierten Produkten den individuellen Standortanforderungen in der Windenergiegewinnung gerecht zu werden, sind modulare Konzepte, wie beispielsweise unser Hybridturm, gefragt. Darüber hinaus lassen sich auch über die Optimierung des Materialansatzes weitere Kostensenkungspotentiale erschließen.

VDMA

4.    Wie versuchen Sie, diese Potenziale in ihrem Unternehmen, Produkten und Lösungen zu heben?

Für uns steht die Erhöhung der Standardisierung unseres Produkts im Vordergrund. Je weniger Planungsprozesse benötigt werden und je weniger verschiedene Turmtypen zum Einsatz kommen, desto kosteneffizienter können wir unseren Hybridturm den Kunden anbieten. Natürlich entwickeln wir auch die Technik weiter. Ziel ist es, in Zukunft über eine Optimierung der Turmgeometrie, der Reduktion des eingesetzten Betons bzw. der Nutzung neuartiger Betone den Turm noch wirtschaftlicher und auch nachhaltiger als heute zu gestalten. Dazu sind wir in engem Austausch mit unseren Kunden und entwickeln gemeinsam zukunftsorientierte Produkte für den Windmarkt.


5.    Sind Sie zuversichtlich für die Windindustrie? Wo sehen Sie die Industrie in fünf Jahren?

Die Windindustrie in Deutschland wird sich mit der Zeit erholen. Nach den vergangenen, sehr angespannten Jahren, die zu einer teilweisen Konsolidierung des inländischen Marktes geführt haben, lässt sich eine positive Tendenz erkennen. Nach wie vor hinderlich für die Befüllung der Auktionen sind die momentanen Genehmigungshürden. Der Markt hat sich verändert. Wir werden in Deutschland sicherlich nicht in absehbarer Zeit wieder diesen Auftrieb der Branche, wie er bis 2016 spürbar war, erleben. Aber die Unternehmen haben aus der Krise gelernt und sich unter diesen veränderten Bedingungen neu ausgerichtet. Man blickt zwischenzeitlich verstärkt über die Grenzen Deutschlands hinaus und erschließt internationale Märkte. Ich gehe davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die meisten deutschen Firmen weltweit neue Zielländer erschließen und auch dort die Energiezukunft mitgestalten.